INSELN (UA)
Tanztheaterabend von Éric Trottier
 
Eintrittspreis: 12 € / 6 € (ermäßigt)
 
Choreographie, Regie & Bühne: Éric Trottier


Tanz: Michelle Cheung, Katharina Wiedenhofer, Lukás Lepold und Tobias Weikamp


Kostümdesign: Melanie Riester

Sounddesign: Jörg Ritzenhoff

Lichtdesign: Markus Becker

Dramaturgie/Produktionsmanagement: Dr. Laura Bettag

 
»Éric Trottier lässt seine vier virtuosen Tänzer die irrwitzigsten Bewegungen vollziehen. ... Dabei gelingt es Trottier mit seiner mutigen Choreografie, auf assoziative Weise Denkhorizonte in die verschiedensten Richtungen zu öffnen ... voller faszinierendem Input für Auge und Gehirn...« regioactive.de


Ab auf die Insel?
Vorsicht! Wenn sich Mann und Frau an einen fremden Ort im Meer der Möglichkeiten einfinden, kann ein Raum mit eigenen Regeln entstehen.
 


Éric Trottier begibt sich mit zwei Tänzerinnen & zwei Tänzern in ein konkretes Experiment auf die "Insel", die in ihrer Abgeschlossenheit in sich im Sinne Foucaults eine Heterotopie ist, wie die Idee von "Schiff" oder „Wald“.        Was wird nun auf der Insel, dem Wald oder anderen biologischen Gegebenheiten passieren, um das Überleben dort zu sichern?
  
Obwohl die Insel getrennt vom Festland und geschützt vor dem Ausgeliefertsein an den unendlichen Ozean ist, heißt das nicht, dass damit sämtliche gesellschaftlichen Konventionen des Zusammenlebens auf ihr außer Kraft getreten sind.
 

Wahrscheinlich ist zudem, dass auch die Tänzer für ihre Arbeit am Thema Prägungen, Fantasien und Träume mitbringen. Vielleicht entwickeln sie sogar Strategien des Kampfes und Konkurrenzverhaltens beim Aufbau einer alternativen Welt.
 
Die instinkthafte, vom kollektiven Unbewussten geformte Ebene scheint sich jedoch in ihrem choreografischen Ausdruck mehr und mehr aufzubrauchen, so dass es der gemeinsamen Suche nach bisher unbekannten künstlerischen Möglichkeiten bedarf.


Zu Anfang dieses Arbeitsprozesses ist nicht abschätzbar, ob es zu kooperierenden Arbeitsformen zwischen Regisseur und den Tänzern - auch untereinander - kommen wird. Zu schwer lasten soziale Bedingtheiten des Alltags, religiöse Dispositive und nicht zuletzt ungleiche Geschlechterverhältnisse auf unser aller Vorstellungsvermögen. Auch diese Aspekte gilt es im Stück auszuloten und zu erforschen. Bei der Erkundung aufkommender Wünsche nach Emanzipation und Geschlechtergerechtigkeit dringt mehr und mehr Licht durch das Dickicht scheinbar gewisser Glaubenssätze, überbordender Emotionen und irrealer Erwartungshaltungen.
  
Für den Schaffensprozess wird die künstlerische Suche nach neuen Ufern durch eine Arbeit zur Féminité des Philosophen Alain Badiou (*1937) hinterlegt. Dies hilft, das Terrain einmal trotz des Wissens um Globalisierung, religiöse Konflikte oder politische Kriege unter hierzulande ungewohnten philosophischen und vielleicht politisch utopischen Perspektiven zu sichten. 

Dieses Gedankenspiel fließt ein in die Versuchsanordnungen auf der Bühne, um vermeintlich unhinter-fragbare Verhaltensweisen durch die Spürbarmachung eines anderen, ganz eigenen Kosmos‘ zu reflektieren und möglicherweise zu relativieren. Die Beziehungen zwischen Männern und Frauen - in welchen Möglichkeiten und Grenzen bewegen wir uns und wo bewegen sie uns? 


Éric Trottier war 1995-2000 Solist und Choreograph am Nationaltheater Mannheim, seitdem ist er freischaffend, 2011 gründete er die La-Trottier Dance Company Mannheim.



Michelle Cheung absolvierte ihre Ausbildung bei Arts Umbrella in Vancouver; sie war von 2010 bis 2013 als Tänzerin am Nationaltheater Mannheim, ist dort noch als Gast tätig.



Katharina Wiedenhofer war an der Ballettschule Basel sowie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, sie tritt seit 2010 regelmäßig am Theater Felina-Areal auf.



Lukáš Lepold studierte in Brno am Tanzkonservatorium, war Solist beim National Moravian Silesian Theater Ostrava, beim Polski Teatr Tanca und war in Mannheim bereits in Endless refill zu sehen.



In Endless refill hat ebenfalls Tobias Weikamp getanzt, er studierte am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz in Köln.
 
Fotos: DangerZone
 
Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Mannheim und den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.