Szenen einer Ehe - FR 31. März & SA 01. April, 19:30 Uhr + SO 02. April, 18 Uhr

 

Ein Jahr aus der Nacht gesprochen (UA)
von Peter Handke
Uraufführung

Wiederaufnahme Herbst 2016

Eintrittspreis: 12 € / 6 € (ermäßigt)

Regie: Rainer Escher

Bühne: Holger Endres & Rainer Escher
Kostüme: Bea Albl & Eva Roos

mit Elisabeth Auer, Holger Endres, Reda Regragui
und Mathias Wendel

Mit Peter Handkes Ein Jahr aus der Nacht gesprochen setzt das Neue EnsemblE seine Reihe mit Crossover-Projekten fort, die mit Lauf, Agu lauf! begonnen und mit Boltanskis Die Vorhölle und Adnans Arabische Apokalypse fortgesetzt wurde.

Während wir uns bisher mit sozialen und politischen Verwerfungen in der Welt beschäftigt haben, betreten wir dieses Mal den innerweltlichen Kosmos des Menschen. Wir hinterfragen den Ursprung und das Ziel der menschlichen Kreativität.Handkes Text besteht aus rund 560 Notaten, die nicht nur auf den ersten Blick zusammenhanglos nebeneinanderstehen. Das Textbild scheint zwar eine Struktur vorzugeben, indem die Texte in Einer-, Zweier-, Dreier- oder Vierer-Gruppen organisiert sind, aber diese Struktur erweist sich als Schimäre.

Auch die Notate selbst – Selbstbefragungen, Bekenntnisse, kleine Gedichte, Beschwörungen, Wortspiele oder Paradoxien – verweisen auf keinen Sinn, sondern nur auf ihre Herkunft aus der Nacht. Sie nehmen Gestalt an, sie sind wie Repräsentanten zweier Reiche: des Immateriellen und des Materiellen. Sie sind da, aber man weiß nicht, woher sie kommen. Damit verweisen sie auf einen Ursprung der Kreativität.

Handke beschäftigt in diesen Notaten mehr die Ergründung dieses kreativen Prozesses als die Erkundung der Psyche. Das Notieren sei ihm zur "Lebensweise" geworden, zu einer "Möglichkeit, gleichsam hinter die Literatur zurückzugehen bevor etwas fest werde. Handke spricht von einer "Literatur vor der Literatur" und von "Anflügen", aus denen er keine Geschichten machen wolle.

Das erinnert an Barthes' Diktum, dass der Mensch nicht spricht, sondern gesprochen wird!
Aber was bedeutet das für den Schauspieler?
Er wird ja tatsächlich gesprochen: Vom Autor.
Woraus speist sich beim Schauspieler die die Kreativität?
Müssen wir für ihn ein "Spiel vor dem Spiel" finden?
Und wie könnte dieses "rohe" Spiel aussehen?

Diese Nahtstelle wollen wir mit dem vorliegenden Projekt untersuchen.

Ein Jahr aus der Nacht gesprochen ist im Suhrkamp-Verlag erschienen.
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»Komisch, tiefsinnig und oftmals völlig absurd. Man kommt selber ins Träumen, ins Nachdenken und nicht selten ins Schmunzeln. Ein Traumbuch, schön und gespensterhaft wie der Flug der Gedanken durch den Kopf, kurz bevor man erwacht.«
Ulrich Greiner über Ein Jahr aus der Nacht gesprochen in Die Zeit

Peter Handke
geboren 1942 in Griffen (Kärnten) als Sohn eines Bankbeamten, ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegsgeneration.
1966 erscheint sein erster Roman DIE HORNISSEN, im selben Jahr erfolgt die Inszenierung seines  legendären Theaterstücks PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann.
Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke und zahlreiche Theaterstücke verfaßt.
Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt.
Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen erklärte er selbst 2007 mit den Worten:
»Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.«

Werke (kleine Auswahl):
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter / Kaspar / Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt / Falsche Bewegung / Die linkshändige Frau / Der Himmel über Berlin / Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten / Untertagblues

(Quelle: Suhrkamp-Verlag)

Pressestimmen

»Escher und sein erfreulich flexibles Ensemble vermeiden in der szenischen Umsetzung geschickt das ausschließliche Dominieren der Sprache. Mit den Übergängen von Einzel- zu Wechselreden oder den gemeinsam gesprochenen Texten wird zudem die Verständlichkeit einer Sprache erleichtert, die gern auf Ursprüngliches verweist (...)«
Mannheimer Morgen

»Über ein Jahr lang hat der Dichter Peter Handke die Gedanken, die ihm im Halbschlaf beim Erwachen durch den Kopf geschossen sind, aufgeschrieben. „Ein Jahr aus der Nacht gesprochen“ heißt die 2010 veröffentlichte Sammlung von Notizen, aus denen der Regisseur Rainer Escher ein sehenswertes Bühnenstück gemacht hat.«
Die Rheinpfalz

Gefördert durch das Kulturamt Mannheim und den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

 

 


 Fotos Stück: Christian Kleiner
Foto Buch: DangerZone