Die letzten Tage der Menschheit
Theaterstück von Karl Kraus

Regie: Rainer Escher

es spielen Elisabeth Auer, Blandine Bonjour, Hedwig Franke, Monika-Margret Steger,
Christian Birko-Flemming und Gerhard Piske

Eintrittspreis: 12 € / 6 € (ermäßigt)

Pressestimmen:

»Eigentlich gelten „Die letzten Tage der Menschheit“ als unspielbar… Und doch ist dieses Stück bühnenwirksam, wie das Neue Ensemble beweist. (...)
Die Figuren setzen in dieser Version, die Rainer Escher so prägnant zwischen Bitterkeit und spöttischem Humor in Szene setzt, zu einem fulminanten Spurt an, um die mit Originalzitaten garnierte Collage bis hin zur Beklemmung auszureizen. (...)

In Mannheim wird der ganze Sarkasmus abgebildet, der „Die letzten Tage der Menschheit“ so bitter macht. Heftiger Beifall für eine bestechende Premiere.«
Mannheimer Morgen
 
»Regisseur Rainer Escher gelingt es, einen weiten Bogen von der anfänglichen Kriegsbegeisterung bis zum Katzenjammer über die Niederlage der verbündeten Mittelmächte Deutschland und Österreich zu schlagen.«

Die Rheinpfalz

200 Szenen, 750 Figuren, mit diesen dürren Zahlen lässt sich das Theaterstück von Karl Kraus, das den Ersten Weltkrieg zum Thema hat, umschreiben. Und sie zeigen auch schon: dieses Werk ist nicht für die Bühne gedacht.


Das Neue EnsemblE hat sich trotzdem an diesen Text  gewagt. Hat gestrichen und bearbeitet und am Ende sind ca. 30 Szenen übriggeblieben, die den Wahnsinn dieses ersten Maschinen-Krieges der  Menschheit abbilden. In rasender Geschwindigkeit geht es von Wien an die Isonzo-Front, von dort an die Ostfront, zurück ins Café Sacher.  


Es tauchen Könige und Kaiser auf, Taschendiebe und Industrielle; es gibt Die Schalek, die erste Frau, die als Journalistin an der Front gearbeitet hat. Und es gibt zwei Besserwisser, die im Stile von Dick und Doof die Weltgeschichte erklären.

Und… ganz am Rande tauchen die auf, die für diesen Irrsinn den Kopf hinhalten müssen:                        die Landser, die Poilus:
Soldaten sind sich alle gleich,
lebendig und als Leich.


Um zu zeigen, dass es in dieser männerdominierten, militarisierten Gesellschaft auch noch andere Stimmen gab, wurden Texte von Käthe Kollwitz, Bertha von Suttner und Clara Zetkin dazwischengeschaltet.     


So entsteht eine Collage aus historischen Tatsachen, politischen Diskursen und kabaretthaften Szenen.
Was dem Stück von Karl Kraus einen zusätzlichen Kick verleiht, ist die Tatsache, dass gut dreißig Prozent der Texte Originalzitate der historischen Personen sind.  

»Die Aufführung des Dramas, dessen Umfang nach irdischem Zeitmaß etwa zehn Abende umfassen würde, ist einem Marstheater zugedacht. Theatergänger dieser Welt vermöchten ihm nicht standzuhalten. Denn es ist Blut von ihrem Blute und der Inhalt ist von dem Inhalt der unwirklichen, undenkbaren, keinem wachen Sinn erreichbaren, keiner Erinnerung zugänglichen und nur in blutigem Traum verwahrten Jahre, da Operettenfiguren die Tragödie der Menschheit spielten.
 

Die Handlung, in hundert Szenen und Höllen führend, ist unmöglich, zerklüftet, heldenlos wie jene. Der Humor ist nur der Selbstvorwurf eines, der nicht wahnsinnig wurde bei dem Gedanken, mit heilem Hirn die Zeugenschaft dieser Zeitdinge bestanden zu haben. Außer ihm, der die Schmach solchen Anteils einer Nachwelt preisgibt, hat kein anderer ein Recht auf diesen Humor. Die Mitwelt, die geduldet hat, daß die Dinge geschehen, die hier aufgeschrieben sind, stelle das Recht, zu lachen, hinter die Pflicht, zu weinen.«
Karl Kraus


Karl Kraus (1874 - 1936)

Er war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts, war Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker sowie vor allem ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.



Vorstellungsfotos: Reda Regragui

Karl-Kraus-Porträt übernommen von wikipedia


Die Produktion wurde gefördert durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.