Szenen einer Ehe - FR 31. März & SA 01. April, 19:30 Uhr + SO 02. April, 18 Uhr

 

Das Paket (DSE)
Theaterstück von Philippe Claudel
in der Übersetzung von Rainer Escher
Deutschsprachige Erstaufführung

Wiederaufnahme Frühjahr 2017

Eintrittspreis: 10 € / 5 € (ermäßigt)



Regie & Bühne: Rainer Escher 


mit Sascha Koal

Eine Parkbank. Ein Mülleimer.
Ein Mann mittleren Alters tritt auf.
Er zieht einen verschnürten Teppich hinter sich her, den er sorgfältig neben sich an die Parkbank lehnt.
Er beginnt sein Leben zu erzählen. Witzig und mit Selbstironie.
Gleich zu Beginn erfahren wir, dass es sein Glück und sein Schicksal ist, dass er immer Menschen anzieht, sich Freunde macht - wo er geht und steht - was ja auch hier im Theater zu sehen sei, das sich, kaum dass er da ist, mit Menschen gefüllt habe.
Ist es seine Absicht, dass er sich hier als einen Menschenfischer darstellt?
Er ist ein Kind des Glücks.
Er hat Karriere als Automechaniker gemacht, der Aufträge rund um den Erdball hat.

"Mein Vater, von Beruf Dachdecker, wurde, nachdem er von einem Dach gefallen war, zum Alkoholiker. Meine Mutter, Vorname Gervaise, machte gerade mit ihren Ersparnissen eine Wäscherei auf, als der Unfall passierte. Der Laden versprach eine blühende Zukunft, ging aber langsam ein, da mein Vater ständig das Geld aus der Kasse in Wein verwandelte, wobei ihm ein ehemaliger Liebhaber meiner Mutter zur Hand ging.

Als meine Mutter sah, wie sich ihr Lebenstraum in ein Geschäft verwandelte, das in Schulden versank, gab sie sich aus Verzweiflung ebenfalls dem Alkohol hin, und das Trio versank in ekelhaftester Zügellosigkeit, während ich, mir selbst überlassen, auf der Straße lebte, wo ich mir meine magere Kost zusammenbettelte.

Nachdem mein Vater in einen Anfall von Delirium Tremens niedergestreckt worden war und meine Mutter bei einem Autounfall gestorben war, wurde ich Priestern anvertraut, die mich gewissenhaft und fromm erzogen und mit einem fundierten kulturellen Gepäck ausstatteten, in meinem Falle mit einer abgeschlossenen Bankenlehre.
Ich gab mit einundzwanzig Jahren als unbezahlter Praktikant mein Debut in der internationalen Hochfinanz in der Zweigstelle der Credit Agricole in Issy-les Moulineux, wo ich für Kaffeemachen und Mülleimerleeren zuständig war."


Philippe Claudel

geboren 1962 in Dombasle-sur-Meurthe, Lothringen, stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Claudel hat einige Jahre an einem Gymnasium als Lehrer gearbeitet; danach entschied er sich dafür, mit behinderten Kindern zu arbeiten, und später mit Inhaftierten in einem Gefängnis Nancys: Von diesem elfjährigen Erlebnis erzählt er in seinem Buch "Le bruit des trousseaux" (Das Geräusch der Schlüsselbunde). Heute lehrt er an der Universität Nancy II im Fachbereich Kulturanthropologie und Literatur. Seit 2004 arbeitet er außerdem für das Verlagshaus Stock.
 Claudel wurde in Deutschland durch seinen Roman „Die grauen Seelen“ bekannt, der die Situation in einem lothringischen Dorf im Hinterland der Front des Ersten Weltkrieges schildert.Mit diesem Buch gelang ihm die große Sensation des französischen Bücherherbstes 2003:
Die grauen Seelen wurde mit dem Prix Renaudot ausgezeichnet, zum Buch des Jahres gewählt und stand monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste.
Auch in Deutschland war „Die grauen Seelen" überaus erfolgreich.

Pressestimmen

»Der namenlose Mann muss ein Prachtexemplar der Spezies Schicksalsgünstling sein. Eloquent, die Worte wohlgesetzt, in fließenden Sprachrhythmus, berichtet er von seinem wahnwitzig erfolgreichen Leben...
....ein hervorragend geschriebener,witziger Text zwischen geradezu kafkaesker Groteske und abgründiger Gesellschaftskritik...
(Ein) Monolog, den Escher so nüchtern wie effektvoll inszeniert und in dem Koal in nuanciertem Spiel die changierenden Seelenschattierungen des Mannes ausleuchtet ... ein fabelhaftes Stück.« 

Mannheimer Morgen

»...eine Lebensbeichte über Erfolg und Sinnsuche in einer wilden Mischung aus Selbsterfindungen und Gesellschaftskritik. Literarisch hochinteressant, szenisch überzeugend gelöst...
Im „Monolog für einen einsamen Mann“ - so der Untertitel des Originals - agiert Sascha Koal wie ein sprachmächtiger Detektiv auf theatraler Spurensuche.«
Die Rheinpfalz

Die Produktion wurde gefördert durch das Kulturamt der Stadt Mannheim.



 

 


 Foto: DangerZone