ARABISCHE APOKALYPSE (DSE)

Stück von Etel Adnan
Deutschsprachige Erstaufführung

Eintrittspreis: 12 € / 6 € (ermäßigt)



Regie: Rainer Escher

Musik: Patrick Kokoszynski

mit Elisabeth Auer, Holger Endres, Reda Regragui und Mathias Wendel


Ausgangspunkt des1980 entstandenem Gedichtzyklus ist die Belagerug und Zerstörung des Palästinenserdorfes Tell Zataar im Jahr 1975:

Etel Adnan arbeitet die Schrecken und Katastrophen des Bürgerkrieges auf. Aktualität bekommen die Texte durch die gegenwärtigen Ereignisse in der arabischen Welt. 
Sie weisen jedoch weit darüber hinaus. Adnan zeigt eine im Chaos versinkende Welt und Menschen, die darin überleben und weiterleben. Wo Krieg, Katastrophen letztlich nichts anderes bedeuten als die Aufhebung jeglicher Ordnung, hat sie dieses Prinzip zur poetischen Ordnung erhoben. Die Stimme der Vernunft regiert nicht mehr, im Chaos gibt es keine Ordnung. In dieser Situation kann es keine Individuen mehr geben.

Die Stimmen der Leidenden, der Toten sind zu hören. Sie haben keine Geschichte. Sie sind fragmentiert. Deshalb geht ihnen der Atem aus, geht ihnen die Sprache aus. Sie werden stumm. Sie wandern über diesen Schauplatz der Zerstörung, einen "Schwarzen Kontinent", mit Mülltüten in der Hand und sammeln die Überreste ein, ihre Überreste.

 
Pressestimmen:
 
»Rainer Escher hat die „Arabische Apokalypse“ der bald 90-jährigen Künstlerin nun für vier Darsteller in Szene gesetzt. Die Schwierigkeit, ein komplexes, oft aus surrealen Sprachbildern voller absurder, verrückter Grausamkeiten bestehendes Textgefüge für die Bühne zu bearbeiten, hat der Regisseur recht überzeugend gemeistert und ihnen Bewegung und Leben eingehaucht.«
Die Rheinpfalz
 
»Regisseur Escher entwickelt mit seiner klaren performativen Umsetzung sensibel und präzise eine Elegie, die allmählich in sich zusammenfällt, erst im Chaos, bald darauf im Untergang ihr ultimatives Ende findet – unweigerlich, vor allem aber unmissverständlich.«
Mannheimer Morgen


Etel Adnan
Sie wurde 1925 in Beirut geboren. Ihre Mutter war eine christliche Griechin aus Smyrna, ihr Vater ein muslimischer Syrer. In dem seinerzeit französisch kontrollierten Libanon besuchte sie die katholische französische Mädchenschule. Ihre erste literarische Sprache war das Französische. Später schrieb sie auch in englischer Sprache. 
Im sprachlichen Widerstreit fand sie in der abstrakten Malerei eine weitere Ausdrucksform: Als Malerin habe sie nicht vom Schreiben gelernt, als Autorin aber vom Malen.

Adnan verließ mit sechzehn Jahren die Schule und arbeitete als Hilfskraft bei der französischen Armee. Neben dieser Tätigkeit legt sie das Abitur ab und begann 1945 ein Literaturstudium an der neugegründeten "École Supérieure des Lettres de Beyrouth".


1949 begann sie ein Studium der Philosophie an der Sorbonne in Paris, ab 1955 setzte sie ihr Studium an der University of California, Berkeley und an der Harvard University fort. Von 1958 bis 1972 unterrichtete sie Geisteswissenschaften und Philosophie in San Rafael, Kalifornien.

1972 kehrte sie in den Libanon zurück, um als Feuilletonredakteurin der französischsprachigen Zeitungen Al Safa und L’Orient-Le Jour zu arbeiten, musste aber nach zwei Jahren den Libanon wegen des Bürgerkriegs erneut verlassen. Sie zog nach Paris, wo sie 1978 ihren Antikriegsroman "Sitt Marie Rose" schrieb, in dem sie das Schicksal ihrer durch die Kata’ib ermordeten Freundin aufgriff. 1979 ging sie wieder nach Kalifornien. Sie lebt heute in Paris und Sausalito (Kalifornien).

Anfang der 1980er Jahre schrieb sie einen Beitrag für Robert Wilsons Oper "The CIVIL warS". Danach verfasste sie eine Reihe von Theaterstücken. 2010 wurde Etel Adnan für ihre Verdienste um die arabische Welt vom libanesischen Präsidenten Michel Slaiman mit dem Staatspreis ausgezeichnet. 2012 wurde Adnan zur DOCUMENTA eingeladen. Von ihr wurden dort 87 Werke, zwei Tapeten, ein Buch und ihr erster Film gezeigt.


Fotos: Torsten Mitsch

Die  Produktion wird gefördert durch das Kulturamt der Stadt Mannheim, den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg  aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.