Der Himmel in der Haut - DO 23., FR 24. & SA 25. Februar, 20 Uhr

 

DIE ERMITTLUNG

Oratorium in elf Gesängen von Peter Weiss

Lesung anlässlich 50 Jahre Frankfurter Auschwitz-Prozesse

 

DI 03. Februar, 19:30 Uhr

           

18 Jahre dauerte es bis sich SS-Aufseher, Ärzte und anderes Lagerpersonal für ihre Verbrechen vor einem deutschen Gericht verantworten mussten. Vergessen und Verdrängen, Schweigen über die eigene Schuld – nach diesem Prozess war das nicht mehr möglich. In Frankfurt schilderten zum ersten Mal hunderte von überlebenden Zeugen die Gräuel des Lagers, so dass am Ende des Prozesses niemand mehr deren Existenz bezweifeln konnte.

 

Die Topographie des Schreckens: Von der Rampe zu den Feueröfen


Peter Weiss hat in seinem dokumentarischen Theater-Stück die Prozess-Protokolle ausgewertet und zu einem Text montiert. In ihm treten eine Unzahl von namenlosen Zeugen auf, die den 18 Angeklagten, die namentlich kenntlich gemacht sind, gegenüber treten. Diese 18 Täter, die in der Zwischenzeit im bundesdeutschen Alltag wieder Karriere gemacht haben, versuchen ihre Taten hinter Sachzwängen, Befehlsnotständen und Wissenslücken zu verstecken, und sie versuchen ihre Opfer, indem sie sie lächerlich machen, ein weiteres Mal zu Erniedrigen. Aber das gelingt nicht mehr.
Peter Weiss' karge Sprache versucht nicht, bei den Zuschauer und Zuhörer Mitleid mit den Einzelschicksalen der Häftlingen zu erwecken. Ihm geht es um mehr, ihm geht es darum die die Logik und Struktur der Konzentrationslager, des SS-Staates aufzudecken.

 

Mit DIE ERMITTLUNG wurde Weiss zu einem intellektuellen Wegbereiter der 68er Bewegung. Die von dem Stück ausgelöste öffentliche Debatte war längst überfällig und verlief höchst kontrovers. Doch das war Ziel des Autors gewesen: Das Schweigen zu beenden und die Verankerung des industriellen Massenmords in der deutschen Gesellschaft zu thematisieren.


»Das Wort muss so stark wirken, dass im Zusammenprall von Worten, von Frage und Antwort, die ganze Dramatik liegen muss. Das Lager Auschwitz auf der Bühne darzustellen, ist eine Unmöglichkeit. Ja, eine Vermessenheit, es überhaupt nur zu versuchen, man kann diesen Gedankenkomplex überhaupt nur von heute aus dem Rückblick beobachten und versuchen zu analysieren, was da vorgegangen ist.«           Peter Weiss

 

Mehr zu Peter Weiss gibt es unter www.peterweiss.org