Abgang
DI 26. Juni, 19:30 Uhr

Eintritt: 8 € / 6 € (ermäßigt)
Für ABGANG können keine Karten vorbestellt werden, der Verkauf läuft ausschließlich über die Abendkasse.

Seit Herbst 2010 gedenkt Abgang Prominenten, die in den Wochen zuvor gestorben sind. Ob Künstler, Politiker oder Wissenschaftler: Durch ihre Texte, Lieder, Filme oder Erfindungen werden die Toten an diesem Abend noch einmal sehr lebendig. Dass dabei nicht lange geplant werden kann, liegt in der Sache der Natur.

Und gerade diese Spontaneität macht die Veranstaltung so einzigartig und abwechslungsreich. Wer wird dabei sein, welche Gäste kommen zusammen? Zufall und Schicksal entscheiden darüber oftmals wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn. Eins ist allerdings sicher: Abgang ist alles andere als eine langweilige Trauerfeier.

Beim Abgang agieren Mitglieder der Gruppe Neues EnsemblE. Im Juni sind das Hedwig Franke, Monika-Margret Steger und Sascha Koal; der Leiter des Theater Felina-Areal wählt auch die Texte aus.

Hilmar Hoffmann war sicherlich der bekannteste Kulturdezernent Deutschlands. Und seine  Leistungen in Frankfurt strahlte über die Stadtgrenzen hinaus und befruchtete viele Kulturlenker in anderen Gemeinden. Unter dem Motto Kultur für alle! initiierte er die städtische Förderung freier Gruppen im Kulturbereich, u. a. auch das erste kommunale Kino und natürlich das Filmmuseum und das Künstlerhaus Mousonturm.
Der war zuvor Bestandteil der gleichnamigen Seifen- und Parfümfabrik. Und gut geduftet hat sicher Sylvia Trench. Denn in deren sanfte Haut schlüpfte Eunice Gayson und versüßte in 007 jagt Dr. No und Liebesgrüße aus Moskau dem Superagenten den geschüttelten Martini.
Sein alleroberster Dienstherr war zu der Zeit ja Premierminister Harold Wilson. Dessen Frau Mary Wilson schrieb Gedichte und publizierte diese auch.

Frauenliteratur ganz anderer Art brachte Alessandra Appiano an die Leserinnen und deren heimlich schmökernden Gatten. Denn wer sich von Titeln wie Liebe kann so schön sein, Prosecco zum Frühstück oder Das Liebesrezept nicht abgeschreckt fühlt, wird sicher gut unterhalten.
Doch auch deutsche Autorinnen können Bücher über Liebesschmerz und -wonnen schreiben. So Petra Röder, deren Wälzer Mitten ins Herz, Liebe klopft nicht an, Und wenn es doch Liebe ist? oder Zwei Herzen für immer aber nicht die Bekanntheit ihrer zweibändigen Zeitreisesage Flammenherz und ihrer Vampirtrilogie Blutrubin haben.

Wir bleiben bei herzlichen Angelegenheiten. Dieter Wellershoff war durchaus bekannt und geschätzt gerade von den Literaturkritikern. Doch den ersten großen Erfolg hatte er mit 75 im Jahr 2000 mit seinem Roman Der Liebeswunsch.

Wie schrecklich eine Liebesbeziehung enden kann, zeigte vor ein paar Jahren der Fall Kachelmann. Verhandelt wurde der Prozess am Landgericht in Mannheim. Den Wetterfrosch verteidigte damals Reinhard Birkenstock. Es gab sogar ein Theaterstück darüber. Und nun raten Sie mal, auf welcher Bühne es gezeigt wurde...
Dass Sex eine sehr lockere Angelegenheit sein kann, demonstrierte Johnny Keyes in beeindruckender Weise. War er doch Behind the Green Door beteiligt an der Resurrection of Eve und dabei jedesmal Inside Marilyn Chambers.
Elementare Verhaltensweisen waren auch das Hauptthema von Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Doch in Werken wie Lie­be und Hass oder Krieg und Frie­den aus der Sicht der Ver­hal­tens­for­schung näherte er sich heissen Themen nie unbekleidet.

Im Gegensatz zu ihm ließ allerdings Jim Morrison auf der Bühne seine Lederhüllen oft und gerne fallen. Das biographische Standardwerk über den Frontmann der Gruppe The Doors schrieb Jerry Hopkins. Das Buch wurde nach einer Textzeile aus dem Song Five to One benannt: No one here gets out alive.
Lebenslänglich saßen auch einige Helden in Jailhouse Rock, allerdings hinter Gittern. Und den Takt dazu gab D. J. Fontana an. Doch nicht nur bei diesem Elvishit saß er an den Drums. Der Herzschlag des Heartbreak Hotel, seine Rhythmen von Hound Dog, It's Now or Never, Return to Sender und vieler weiterer Klassiker ließen jeden bis in alle Puppen tanzen.
Mit Jon Hiseman ist ein weiterer großer Schlagzeuger gestorben. Der vielseitige Musiker spielte alles von Jazz bis Rock, nahm Platten auf mit Jack Bruce, dem United Jazz + Rock Ensemble und natürlich Colosseum.

Deren erste LP hieß ihrem Bandnamen entsprechend Those Who Are About to Die Salute You - Morituri Te Salutant.

Dieser Ausspruch der Gladiatoren hätte auch gut zu Filmen wie Scarface, Carlito's Way oder Hundstage gepasst. Die drei Tode der jeweils von Al Pacino verkörperten Titelhelden hat Martin Bregman produziert.

Wohingegen der Jäger des verlorenen Schatzes alle seine Abeteuer überlebt. Und das auch noch in dem oscarprämierten Setdesign von Michael D. Ford, der den Goldjungen auch für seine Ausstattung von Titanic erhielt. Außerdem war er nominiert für Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter.
Edle Ritter einer ganz anderen Art waren die legendären Blues Brothers. Und einer ihrer Mitstreiter im Auftrag des Herrn war der Gitarrist Matt Murphy.

Pressestimmen:

»Wenn es um den Tod geht, ist eigentlich niemandem zum Lachen zumute. Wenn das Neue Ensemble des Theater Felina Areal mit seiner Kultlesung auf der Bühne steht, dafür umso mehr.
„Abgang“ ist eine schräge Lesung, beliebt und hochgelobt und auf jeden Fall zum Totlachen. Das, was die Zuschauer im voll besetzten Theatersaal erwartet, ist mehr als nur tiefschwarzer Humor, es ist ein amüsantes Gedenken an jüngst verstorbene bekannte Schauspieler, Musiker, Dichter und Denker, bei dem nichts und niemand verschont bleibt. Doch ab und zu zeigt der Tod auch seine fröhliche Seite (...)

Die fünf Akteure spielen mit ihren Stimmbändern wie ein Orchester verschiedener Stimmlagen und Stimmungen. Sie greifenkleine Details akribisch auf, die in kurzen, unscheinbaren Nebensätzen versteckt sind.
Fazit: ein rundum gelungener Leseabend.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2016)

»Anders als der Titel vermuten lässt, ist die Lesung witzig und alles andere als ein „Runterzieher“, packt schonungslos und unverblümt die großen Themen des Lebens an.«
Mannheimer Morgen (über Abgang März 2016)

»Die Stammgäste wissen, dass sie kein konventionelles Theater erwartet. Es ist vielmehr, als beobach- teten sie einen intellektuellen Kneipenabend alter Freunde mit einem Hang zur platonischen Nekrophilie.«
Mannheimer Morgen (über Abgang September 2015)

»Die Texte der Lesung hatte Regisseur Sascha Koal mit Sinn für Pointen und hintersinnigen Humor ausgesucht. Doch Gelächter beim kollektiven Gedenken an literarische, philosophische, politische und künstlerische Größen (...) – ist das erlaubt? Unsere Tage auf Erden sind begrenzt und nichts vergegenwärtigt diese Tatsache so sehr wie ein unerwarteter Tod. Doch es ist der Humor, der dafür sorgt, dass die Menschen nicht ihren Überlebenswillen verlieren (...)
Die vier Schauspieler jedenfalls zeigten, dass sie keine Trauerklöße sind. Mit überbordender Spielfreude schlüpften sie in mehr als 40 Rollen: Das Lachen und der Tod – bei ihrer brüllend komischen Lesung loteten sie genau diese Frage mit Feingefühl und Empathie aus.«
Mannheimer Morgen (über Abgang März 2015)

»Wer eine Trauerfeier erwartete, suchte diese vergebens. Stattdessen bahnte sich ein schräges, satirisches und existenziell philosophisches Ereignis an. Übermorgen wird der nächste gehen, aber wenn es schon passieren muss, dann stilvoll. Wenn schon Trauer, dann aber bitte richtig – mit viel Krach, Brimborium und Worten.
Aus allen möglichen Blickwinkeln präsentierten die sechs Schauspieler die jüngst Verstorbenen und schenkten den Zuhörern so den letzten, ultimativen Kick.
Ein „Abgang“ mit schrägen Gesangseinlagen, neurotischen Rettern, überdrehten Rückblicken auf die Vergangenheit und mit Schauspielern, deren Antworten auf essentielle Fragen so staubtrocken wie die Wüste Gobi daherkommen – einfach köstlich.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2015)

»Nicht nur die intelligente und die Dinge auf den Punkt bringende Textauswahl war eine Meisterleistung, sondern auch die grandiose Darbietung der fünf Schauspieler, die in fiegendem Wechsel in mehr als 40 Rollen schlüpften.«
Mannheimer Morgen (über Abgang September 2014)

»...eine amüsante Lesung mit frech-frivolen musikalischen Akzenten...
„Abgang“ gleicht einem szenischen Abschiedsbrief - mit einem Augenzwinkern inszenierte, humorvoll bis leisemelancholische Reflexionen über das Leben, das Theater und den Tod.«
Mannheimer Morgen (über Abgang April 2013)

»Ein unterhaltsamer, lustiger, fantasievoller und abwechslungsreicher Abend.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2013)

»Die Schauspieler packten ganz unverfroren ihre Gefühle in direkte Worte. Und genau diese Direktheit macht die Lesung so unverwechselbar. Der Tod, der alle verbindet, war zwar Ausgangspunkt des Programms, doch Lachen kann sehr befreiend sein.«
Mannheimer Morgen (über Abgang November 2012)

Das Bild unseres Fotografen DangerZone zeigt den Mittelpunkt Mannheims, den Sensenmann auf der Spitze des Paradeplatz-Brunnens.