Abgang
DI 25. April, 19:30 Uhr

Eintritt: 6 €

Für ABGANG können keine Karten vorbestellt werden, der Verkauf läuft ausschließlich über die Abendkasse.

Seit 2010 gedenkt Abgang Prominenten, die in den Wochen zuvor gestorben sind. Ob Künstler, Politiker oder Wissenschaftler: Durch ihre Texte, Lieder, Filme oder Erfindungen werden die Toten an diesem Abend noch einmal sehr lebendig. Dass dabei nicht lange geplant werden kann, liegt in der Sache der Natur.


Und gerade diese Spontaneität macht die Veranstaltung so einzigartig und abwechslungsreich. Wer wird dabei sein, welche Gäste kommen zusammen? Zufall und Schicksal entscheiden darüber oftmals wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn. Eins ist allerdings sicher: Abgang ist alles andere als eine langweilige Trauerfeier.

Im April lesen u. a. Elisabeth Auer, Hedwig Franke, Monika-Margret Steger, Christian Birko-Flemming und Mathias Wendel, alles Mitglieder der Gruppe Neues EnsemblE, die Textauswahl stellt Sascha Koal zusammen, der Leiter des Theater Felina-Areal.

Gedenken werden wir u.a. dem Literaturnobelpreisträger Derek Walcott. Seine westindische Heimat St. Lucia hatte ihn vor allem zu lyrischen Höchstleistungen inspiriert. Sein russischer Kollege Jewgeni Jewtuschenko trug während des Augustputsches 1991 vom Balkon des Weißen Hauses in Moskau ein Gedicht vor, das den demonstrierenden Menschen auf der Straße gewidmet war.

Ob ihm währenddessen die Kugeln um die Ohren pfiffen? Die Querschläger in den Italowestern begleitete oft das Pfeifen von Alessandro Alessandroni. Die gesamte Dollar-Trilogie von Sergio Leone über und seine Kunst untermalte auch die Auftritte des Desperados Cheyenne in Spiel mir das Lied vom Tod. Ein Star der europäischen Western war der kubanische Schauspieler Tomás Milián. Er wußte, dass es Ohne Dollar keinen Sarg gibt, war als Django - Unbarmherzig wie die Sonne und vor allem natürlich Verdammt zu leben - verdammt zu sterben.

Der beliebteste Platz für das Ableben ist und bleibt in Deutschland der Sonntagabend nach der Tagesschau. Renate Schroeter war im allerersten Taxi nach Leipzig dabei und auch in der 83. Tatort-Folge als Frau von Curd Jürgens der Auslöser für das Motto Rot - rot - tot. An der Seite dieses normannischen Schranks spielte Christine Kaufmann ihre einzige Rolle in der Krimireihe Der Kommissar. Bereits eine Dekade zuvor aber begann ihre Weltkarriere. So erlebte sie 1959 mit erst 14 Jahren Die letzten Tage von Pompeji, litt ein Jahr später in der Stadt ohne Mitleid und lernte wenige Zeit danach bei den Dreharbeiten zu Taras Bulba ihren späteren Ehemann Tony Curtis kennen.

Mord und Totschlag begleiten Inspektor Morse von der Mordkommission Oxford. Sein Schöpfer Colin Dexter ließ ihn Die schweigende Welt des Nicholas Quinn erkunden, Das Rätsel der dritten Meile lösen und zur Erkenntnis Kurz ist unser Leben kommen. Genug vom Crime. Kommen wir zum Sex. Radley Metzger drehte verhältnismäßig zahme Filme wie Kameliendame 2000 und Das lüsterne Quartett. Aber unter dem Pseudonym Henry Paris zeigte er den Zuschauern Die privaten Nachmittage der Pamela Mann, The Opening of Misty Beethoven und führte sie in Die Liebesschule. Alle diese Streifen sind Klassiker des Golden Age of Porn der Siebziger Jahre, werden zum Teil in der Filmsammlung des MoMa verwahrt. Künstlerisch wertvolle Filme drehte ebenso Toshio Matsumoto. Sein Pfahl in meinem Fleisch diente sogar Kubrick als Vorlage für einige Szenen in Uhrwerk Orange. Jim Jarmush wiederum ließ sich durch die musikalischen Erkundungen, die Louis Sarno bei den Baka-Pygmäen unternahm, zu den Filmen Dead Man und Ghost Dog inspirieren.

Bei noch mehr Meilensteinen der Kinogeschichte stand Michael Ballhaus hinter der Kamera. Seine Werkliste umfasst Filme wie Martha (mit der 360° Kamerafahrt), Faustrecht der Freiheit und Die Ehe der Maria Braun von Fassbinder wie auch Die Farbe des Geldes, Good Fellas und Gangs of New York von Scorsese. Für die Mitglieder japanischer Yakuza-Banden lieh Tsunehiko Watase sein Gesicht. Er war an Battles without Honor and Humanity beteiligt und verbreitete als The tattooed Hit Man Angst und Schrecken. Um der Furcht vor homosexuellen Menschen einen Namen zu geben, kreierte der amerikanische Psychologe George Weinberg Mitte der 60er-Jahre das Wort homophobia. Es setzte sich durch und beschreibt die leider noch immer herrschende Ablehnung, die zu unmenschlichen Taten führt. Symbol im Kampf gegen die Homophobie wurde die Regenbogenfahne, die der amerikanische Künstler Gilbert Baker 1978 entworfen hat.

Die Musikwelt trauert um Clem Curtis, den Sänger der Soulband The Foundations, deren Hit Build Me up Buttercup ein regelrechter Ohrwurm war. Außerdem hat Sib Hashian für immer die Drumsticks abgegeben. Er schwang sie für die AOR-Heroen Boston, natürlich auch bei More than a Feeling. Ganz heftige Gefühle für ein Mädchen aus seiner Highschool besang der Gitarrist J. Geils in seinem erfolgreichsten Song. Bis er eines Tages entdeckt, dass sich dieser reine Engel im Centerfold eines Herrenmagazins entblättert hat. Ein offenes Geheimnis ist auch, dass sich hinter dem von Bob Dylan besungenen Mr. Tambourine Man der Gitarrist Bruce Langhorn verbirgt, der bei der Originalaufnahme auch mitgespielt hatte. Kurze Zeit später machten die Byrds den Song zu einem Welthit.

Auch die Gruppe Them hatte mit ihrer Version It's all over now, Baby Blue zu recht mehr Erfolg als der Autor Dylan selbst mit seiner Fassung. Bei allen Aufnahmen dieser Band um Van Morrison zupfte Alan Henderson den Bass. Motown-Songs wie z.B. Shoo-Be-Doo-Be-Doo-Da-Day, Love Bug Leave My Heart Alone oder This Old Heart of Mine (Is Weak for You) gehen wie auch deren Tantiemen auf das Konto von Sylvia Moy. Deutsche Texte zu Coverversionen steuerte Frank Dostal zur Musikhistorie bei. So germanisierte er Das Lied der Schlümpfe und You’re the One That I Want übersetzte er überkorrekt mit Du, die Wanne ist voll. Ebenso schrieb er Yes Sir, I Can Boogie und Sorry, I’m a Lady dem Discoduo Baccara auf die schlanken Leiber. Zuvor war er bei den Rattles, schrieb und sang bei Wonderland u. a. deren größten Hit Moscow - 23 Jahre vor dem Putsch gegen Gorbatschow.

Pressestimmen:

»Wenn es um den Tod geht, ist eigentlich niemandem zum Lachen zumute. Wenn das Neue Ensemble des Theater Felina Areal mit seiner Kultlesung auf der Bühne steht, dafür umso mehr.
„Abgang“ ist eine schräge Lesung, beliebt und hochgelobt und auf jeden Fall zum Totlachen. Das, was die Zuschauer im voll besetzten Theatersaal erwartet, ist mehr als nur tiefschwarzer Humor, es ist ein amüsantes Gedenken an jüngst verstorbene bekannte Schauspieler, Musiker, Dichter und Denker, bei dem nichts und niemand verschont bleibt. Doch ab und zu zeigt der Tod auch seine fröhliche Seite (...)

Die fünf Akteure spielen mit ihren Stimmbändern wie ein Orchester verschiedener Stimmlagen und Stimmungen. Sie greifenkleine Details akribisch auf, die in kurzen, unscheinbaren Nebensätzen versteckt sind.
Fazit: ein rundum gelungener Leseabend.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2016)

»Anders als der Titel vermuten lässt, ist die Lesung witzig und alles andere als ein „Runterzieher“, packt schonungslos und unverblümt die großen Themen des Lebens an.«
Mannheimer Morgen (über Abgang März 2016)

»Die Stammgäste wissen, dass sie kein konventionelles Theater erwartet. Es ist vielmehr, als beobach- teten sie einen intellektuellen Kneipenabend alter Freunde mit einem Hang zur platonischen Nekrophilie.«
Mannheimer Morgen (über Abgang September 2015)

»Die Texte der Lesung hatte Regisseur Sascha Koal mit Sinn für Pointen und hintersinnigen Humor ausgesucht. Doch Gelächter beim kollektiven Gedenken an literarische, philosophische, politische und künstlerische Größen (...) – ist das erlaubt? Unsere Tage auf Erden sind begrenzt und nichts vergegenwärtigt diese Tatsache so sehr wie ein unerwarteter Tod. Doch es ist der Humor, der dafür sorgt, dass die Menschen nicht ihren Überlebenswillen verlieren (...)
Die vier Schauspieler jedenfalls zeigten, dass sie keine Trauerklöße sind. Mit überbordender Spielfreude schlüpften sie in mehr als 40 Rollen: Das Lachen und der Tod – bei ihrer brüllend komischen Lesung loteten sie genau diese Frage mit Feingefühl und Empathie aus.«
Mannheimer Morgen (über Abgang März 2015)

»Wer eine Trauerfeier erwartete, suchte diese vergebens. Stattdessen bahnte sich ein schräges, satirisches und existenziell philosophisches Ereignis an. Übermorgen wird der nächste gehen, aber wenn es schon passieren muss, dann stilvoll. Wenn schon Trauer, dann aber bitte richtig – mit viel Krach, Brimborium und Worten.
Aus allen möglichen Blickwinkeln präsentierten die sechs Schauspieler die jüngst Verstorbenen und schenkten den Zuhörern so den letzten, ultimativen Kick.
Ein „Abgang“ mit schrägen Gesangseinlagen, neurotischen Rettern, überdrehten Rückblicken auf die Vergangenheit und mit Schauspielern, deren Antworten auf essentielle Fragen so staubtrocken wie die Wüste Gobi daherkommen – einfach köstlich.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2015)

»Nicht nur die intelligente und die Dinge auf den Punkt bringende Textauswahl war eine Meisterleistung, sondern auch die grandiose Darbietung der fünf Schauspieler, die in fiegendem Wechsel in mehr als 40 Rollen schlüpften.«
Mannheimer Morgen (über Abgang September 2014)

»...eine amüsante Lesung mit frech-frivolen musikalischen Akzenten...
„Abgang“ gleicht einem szenischen Abschiedsbrief - mit einem Augenzwinkern inszenierte, humorvoll bis leisemelancholische Reflexionen über das Leben, das Theater und den Tod.«
Mannheimer Morgen (über Abgang April 2013)

»Ein unterhaltsamer, lustiger, fantasievoller und abwechslungsreicher Abend.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2013)

»Die Schauspieler packten ganz unverfroren ihre Gefühle in direkte Worte. Und genau diese Direktheit macht die Lesung so unverwechselbar. Der Tod, der alle verbindet, war zwar Ausgangspunkt des Programms, doch Lachen kann sehr befreiend sein.«
Mannheimer Morgen (über Abgang November 2012)

Das Bild unseres Fotografen DangerZone zeigt den Mittelpunkt Mannheims, den Sensenmann auf der Spitze des Paradeplatz-Brunnens.