Abgang
DI 11. Juli, 19:30 Uhr

Eintritt: 6 €

Für ABGANG können keine Karten vorbestellt werden, der Verkauf läuft ausschließlich über die Abendkasse.

Seit 2010 gedenkt Abgang Prominenten, die in den Wochen zuvor gestorben sind. Ob Künstler, Politiker oder Wissenschaftler: Durch ihre Texte, Lieder, Filme oder Erfindungen werden die Toten an diesem Abend noch einmal sehr lebendig. Dass dabei nicht lange geplant werden kann, liegt in der Sache der Natur.


Und gerade diese Spontaneität macht die Veranstaltung so einzigartig und abwechslungsreich. Wer wird dabei sein, welche Gäste kommen zusammen? Zufall und Schicksal entscheiden darüber oftmals wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn. Eins ist allerdings sicher: Abgang ist alles andere als eine langweilige Trauerfeier.

Beim Abgang im Juli lesen & singen Hedwig Franke, Monika-Margret Steger, Christian Birko-Flemming und Gerhard Piske, alles Mitglieder der Gruppe Neues EnsemblE, die Textauswahl stellt Sascha Koal zusammen, der Leiter des Theater Felina-Areal.

Nicht nur mit den Bands Soundgarden und Audioslave war Chris Cornell erfolgreich. Auch als Solist gelang ihm dies ein- & ausdrucksvoll. So begleitete sein Song You Know My Name anno 2006 James Bond ins Casino Royal. Die Rolle des 007 spielte Roger Moore zum ersten mal im Jahr 1973, der Film verkündete das Motto Leben und sterben lassen. Auch wenn er danach u. a. als Sherlock Holmes in New York war und sowohl wußte, warum Die Wildgänse kommen wie auch wann Die Seewölfe kommen, die Rolle des Doppelnull-Agenten blieb an ihm haften, selbst nach seinem Ausstieg 1985.

Ebenfalls wird mancher Musiker auf wenige Lieder reduziert. So fallen den meisten beim Namen Daliah Lavi sicher sofort das zweideutige Oh, wann kommst Du und der sehr direkte Anmacher Willst Du mit mir geh'n ein. Und es gibt natürlich noch mehr Schauspieler, die vor allem mit einer Rolle verbunden bleiben. Oder an welche Serie denken Sie beim Namen Lukas Ammann? Klar, an Graf Yoster gibt sich die Ehre. Und ebenso erging es Geoffrey Bayldon, der bis zum Tag, an dem Die Normannen kommen, der Hexenmeister Catweazle bleiben wird. Seine Kröte hieß Kühlwalda, doch ein noch bekannterer Lurch ist Kermit aus der Sesamstraße. Ihm lieh in Deutschland Andreas von der Meden seine Stimme.

Ein sanftes Timbre hatte der Kritiker Joachim Kaiser, dessen Rezensionen seinen besonderen Blick auf Literatur, Musik und Theater spiegelten. Eine Besprechung von ihm zu Angel Heart ist nicht überliefert. Mit diesem Okkultthriller feierte William Hjortsberg einen Welterfolg, die gleichnamige Verfilmung vor genau dreißig Jahren lehrte den Zuschauern das Gruseln. Wie auch vier Jahre später uns Jonathan Demme durch Hannibal Lecter über Das Schweigen der Lämmer kulinarisch aufklären ließ. Der politischen Aufklärung war der Journalist Dieter Thoma u. a. als Gastgeber des Presseclub verpflichtet. Während Sônia Bogner am liebsten Damen verhüllte, um damit deren Reize besonders zu betonen. Gut, für manche ist weniger mehr. So z. B. für Dina Merrill, die während das Unternehmen Petticoat über die Bühne ging, als Lt. Barbara Duran den U-Boot-Kommandanten Cary Grant zum Rudern brachte. Noch weniger als einen luftigen Unterrock trug Quinn O’Hara, spielte sie doch mit in dem cineastischen Meisterwerk The Ghost in the Invisible Bikini.

Tatsächlich Meilensteine der Filmkunst schrieb Enrico Medioli. So entstanden nach seinen Drehbüchern Das Mädchen mit dem leichten Gepäck, Rocco und seine Brüder, Der Leopard, Gewalt und Leidenschaft und Es war einmal in Amerika. Dorthin wanderte 1947 Curt Lowens aus, der dann (ausgerechnet als Überlebender des Holocaust!!) in Filmen wie Die Kanonen von Tobruk oder Die Hindenburg vor allem Nazis spielte. Mit der folgenden Deutschen Demokratischen Diktatur hatte A. R. Penck wegen seiner Kunst und Haltung ganz großen Ärger. Ein Vertreter dieses Staates war General Heinz Keßler. Als Minister für Nationale Verteidigung war er mitverantwortlich für die Todesschüsse an der Mauer. Nur harmlose Platzpatronen hingegen hat Michael Parks in der Rolle des Texasrangers Earl McGraw abgeschossen. Den durfte er gleich in fünf Filmen verkörpern: in From Dusk till Dawn, Kill Bill 1 & 2, Death Proof und Planet Terror.

Schrecken mit Echsen verbreitete Yoshimitsu Banno in dem Streifen Godzilla vs. Hedorah, der den deutschen Zuschauern als Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster verkauft wurde. Auch Gustavo Rojo hatte eine solche urgewaltige Auseinandersetzung mit dem Allosaurus Gwangi. Er ritt aber ebenso Durchs wilde Kurdistan, war Im Reich des Silbernen Löwen und kannte Die Hexe ohne Besen. Dem Schicksal durch Dracula und seine Bräute ebenfalls ein Wesen des dunklen Zwischenreiches zu werden, entkam 1960 Yvonne Monlaur nur knapp, um bereits ein Jahr später dem Terror der Tongs ausgeliefert zu werden. Ihre Kollegin Erin Moran dagegen reiste mit einem Hyperraumsprung zum Planet des Schreckens und erlebte dort phantastische Abenteuer der B-Klasse.

Die Imaginationen einer Krimiautorin waren für Emmanuèle Bernheim das Thema im Drehbuch zum Film Swimming Pool, während sie in dem zu 5×2 - Fünf mal zwei das Scheitern einer Beziehung in umgekehrter Reihenfolge erzählte, von der Scheidung bis zum ersten Augenblick.
Ihre mittlerweile tief zerrüttete Ehe wollte 1979 die Ehefrau des Schauspielers Gunnar Möller beenden. Während eines heftigen Streites erschlug sie der angetrunkene Ehemann und wurde wegen Totschlags zu fünf Jahren Haft verurteilt. Vier Jahre zuvor spielte er im 53. Tatort einen Fabrikanten, der scheinbar Mordgedanken gegenüber seiner Gattin hegt. Ebensolche kriminellen Abwege beschritten in den 60ern auch Myra Hindley und Ian Brady, die als Moormörder in die Kriminalgeschichte eingingen. Bradys letzter Wille war es, seinen Leichnam zu verbrennen, um die Asche anschließend in seiner Heimatstadt Glasgow zu verstreuen. Die Stadtverwaltung hat dies verboten. Man stelle sich ja auch dieses Bild mal vor: die Asche eines Serienmörders weht durch die Straßen. So könnte glatt ein Horrorfilm beginnen.

Das Grauen erlebte Mike Peterson, als er sich eine heftige Verletzung am Rücken zuzog. Denn dadurch verlor er seinen Job in der Fabrik, seine Frau ließ ihn daraufhin mit ihrem gemeinsamen Sohn alleine. Doch zum Glück gab es den Zeichner Rich Buckler, der ihn auf Raina treffen ließ, die ihn durch das Centipede-Serum in den biomechanischen Soldaten Deathlok verwandelte und damit zum Agenten von S.H.I.E.L.D. machte.
Als eine ebensolche Abwehr gegen unamerikanische Bedrohungen sah sich wohl der Fernsehproduzent Roger Ailes. Nach seiner Zeit als Medienberater der republikanischen Präsidenten Nixon, Reagan und Bush sr. konzipierte er 1996 den konservativen TV-Sender Fox News. Dessen CEO war er zwanzig Jahre lang, bis ihn gegen die Vorwürfe sexueller Belästigung kein Schild mehr retten konnte.

Ein extremer Gegensatz zu solcher Geistesenge waren die Gedanken von Jacque Fresco. Er gründete das Venus-Projekt, das allerdings nichts mit der Liebesgöttin zu tun hat, sondern mit der gleichnamigen Stadt in Florida. Im Mittelpunkt steht nichts Geringeres als die Ablösung des gegenwärtigen auf Rentabilität beruhenden Kapitalismus durch eine ressourcenbasierte Wirtschaftsordnung. Ihre Basis bildet u. a. eine technologische Entwicklung aufgrund vernünftiger Effizienz. Der Autor von Büchern wie Looking Forward und The Best That Money Can’t Buy hat seine Lebensressource auf jeden Fall optimal genutzt, starb er doch mit 101 Jahren.

Pressestimmen:

»Wenn es um den Tod geht, ist eigentlich niemandem zum Lachen zumute. Wenn das Neue Ensemble des Theater Felina Areal mit seiner Kultlesung auf der Bühne steht, dafür umso mehr.
„Abgang“ ist eine schräge Lesung, beliebt und hochgelobt und auf jeden Fall zum Totlachen. Das, was die Zuschauer im voll besetzten Theatersaal erwartet, ist mehr als nur tiefschwarzer Humor, es ist ein amüsantes Gedenken an jüngst verstorbene bekannte Schauspieler, Musiker, Dichter und Denker, bei dem nichts und niemand verschont bleibt. Doch ab und zu zeigt der Tod auch seine fröhliche Seite (...)

Die fünf Akteure spielen mit ihren Stimmbändern wie ein Orchester verschiedener Stimmlagen und Stimmungen. Sie greifenkleine Details akribisch auf, die in kurzen, unscheinbaren Nebensätzen versteckt sind.
Fazit: ein rundum gelungener Leseabend.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2016)

»Anders als der Titel vermuten lässt, ist die Lesung witzig und alles andere als ein „Runterzieher“, packt schonungslos und unverblümt die großen Themen des Lebens an.«
Mannheimer Morgen (über Abgang März 2016)

»Die Stammgäste wissen, dass sie kein konventionelles Theater erwartet. Es ist vielmehr, als beobach- teten sie einen intellektuellen Kneipenabend alter Freunde mit einem Hang zur platonischen Nekrophilie.«
Mannheimer Morgen (über Abgang September 2015)

»Die Texte der Lesung hatte Regisseur Sascha Koal mit Sinn für Pointen und hintersinnigen Humor ausgesucht. Doch Gelächter beim kollektiven Gedenken an literarische, philosophische, politische und künstlerische Größen (...) – ist das erlaubt? Unsere Tage auf Erden sind begrenzt und nichts vergegenwärtigt diese Tatsache so sehr wie ein unerwarteter Tod. Doch es ist der Humor, der dafür sorgt, dass die Menschen nicht ihren Überlebenswillen verlieren (...)
Die vier Schauspieler jedenfalls zeigten, dass sie keine Trauerklöße sind. Mit überbordender Spielfreude schlüpften sie in mehr als 40 Rollen: Das Lachen und der Tod – bei ihrer brüllend komischen Lesung loteten sie genau diese Frage mit Feingefühl und Empathie aus.«
Mannheimer Morgen (über Abgang März 2015)

»Wer eine Trauerfeier erwartete, suchte diese vergebens. Stattdessen bahnte sich ein schräges, satirisches und existenziell philosophisches Ereignis an. Übermorgen wird der nächste gehen, aber wenn es schon passieren muss, dann stilvoll. Wenn schon Trauer, dann aber bitte richtig – mit viel Krach, Brimborium und Worten.
Aus allen möglichen Blickwinkeln präsentierten die sechs Schauspieler die jüngst Verstorbenen und schenkten den Zuhörern so den letzten, ultimativen Kick.
Ein „Abgang“ mit schrägen Gesangseinlagen, neurotischen Rettern, überdrehten Rückblicken auf die Vergangenheit und mit Schauspielern, deren Antworten auf essentielle Fragen so staubtrocken wie die Wüste Gobi daherkommen – einfach köstlich.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2015)

»Nicht nur die intelligente und die Dinge auf den Punkt bringende Textauswahl war eine Meisterleistung, sondern auch die grandiose Darbietung der fünf Schauspieler, die in fiegendem Wechsel in mehr als 40 Rollen schlüpften.«
Mannheimer Morgen (über Abgang September 2014)

»...eine amüsante Lesung mit frech-frivolen musikalischen Akzenten...
„Abgang“ gleicht einem szenischen Abschiedsbrief - mit einem Augenzwinkern inszenierte, humorvoll bis leisemelancholische Reflexionen über das Leben, das Theater und den Tod.«
Mannheimer Morgen (über Abgang April 2013)

»Ein unterhaltsamer, lustiger, fantasievoller und abwechslungsreicher Abend.«
Mannheimer Morgen (über Abgang Januar 2013)

»Die Schauspieler packten ganz unverfroren ihre Gefühle in direkte Worte. Und genau diese Direktheit macht die Lesung so unverwechselbar. Der Tod, der alle verbindet, war zwar Ausgangspunkt des Programms, doch Lachen kann sehr befreiend sein.«
Mannheimer Morgen (über Abgang November 2012)

Das Bild unseres Fotografen DangerZone zeigt den Mittelpunkt Mannheims, den Sensenmann auf der Spitze des Paradeplatz-Brunnens.