Szenen einer Ehe - FR 31. März & SA 01. April, 19:30 Uhr + SO 02. April, 18 Uhr

 

Eröffnet wurde die Bühne mit der Uraufführung des Stückes LEBENSLÄNGLICH FÜR RICHARD WAGNER im Februar 2009.

Im THEATER FELINA-AREAL erhalten auch andere Theatermacher die Möglichkeit zu produzieren.

 

Presseberichte zur Eröffnung:


Mannheimer Morgen Januar 2009

Theater: Das Theater im Felina-Areal in Mannheim öffnet neue Wege für freie Theatergruppen
Alte Schreinerei wird neu
Von unserem Mitarbeiter Bernd Mand

Manchmal führen uns gerade die verschlungenen Wege ans Ziel. Im Falle des neuen Theater Felina-Areal durch zwei Hinterhöfe und eine weitere Tordurchfahrt, bis wir schließlich vor der ehemaligen Schreinerei der Felina-Werke in der Mannheimer Neckarstadt-Ost stehen. Vor der Tür erwartet uns schon Sascha Koal, der frisch gebackene Theatervater. Seit November vergangenen Jahres entsteht hier auf knapp 250 Quadratmetern ein kleines Theaterhaus für die freie Szene. „Wichtig war vor allem, dass wir einen komplett neuen Boden legen, um den unregelmäßige Betonuntergrund auszugleichen. Jetzt wird noch die Technik eingebaut, die alten Fenster aufgefrischt und die Außenfassade verputzt“. erklärt er.
Sascha Koal ist seit den frühen 90er Jahren in der regionalen Theaterszene unterwegs und hat zuletzt mit seiner Theatergruppe das Trafohaus in der Schwetzingervorstadt bespielt. „Ich komme aus Mannheim und bin in der freien Szene seit 1993 aktiv. Da wir im Trafohaus nur Untermieter waren, hat sich das dortige Theater nie so richtig etablieren können“, erzählt er.

Er habe einen neuen Raum gesucht und sei vom Kulturamt mit der Theaterakademie, die diesen Raum ursprünglich auch anmieten wollte, zusammengebracht worden. „Da dachte ich sofort, ja, ich schaue mal, ob ich die Finanzierung hinbekomme, damit wir mit der Kammeroper Mannheim und dem Neuen Ensemble diesen Raum mieten und nutzen können.“ Er sei dabei vom gesamten Gemeinderat unterstützt worden. Insgesamt nämlich werde in Mannheim, was das freie Theater anbelangt, nicht nur von einzelnen Akteuren, sondern auch von der Verwaltung immer mehr getan.

Raum für Tanztheater
Zwischen den frisch verputzten Wänden stehen vor allem Produktionen der Kammeroper Mannheim und des Neuen Ensembles auf dem Spielplan, aber auch dem Tanztheater soll ein großzügiger Raum beigemessenwerden. „Zunächst einmal hat die Kammeroper Mannheim den Raum angemietet. Wir werden also Musiktheaterproduktionen machen. Außerdem werden wir als Neues Ensemble diesen Raum mit Stücken der Neuen Studiobühne aus Ludwigshafen oder noch aus dem Trafohaus bespielen. Wir werden mit bestehenden und neuen Arbeiten starten. Ebenso wird die Theaterakademie hier Produktionen aufführen.“
Was das Tanztheater betrifft, denkt Koal an ihm langjährig bekannte Choreographen, die hier tätig werden könnten – „Mario Heinemann von MS Tanzwerk, Aki Kato und Regina Baumgart werden auf jeden Fall in dieser Spielzeit Produktionen auf die neue Bühne bringen.“ Dem Tanztheater möchte Koal die Möglichkeit zum Aufbau einer eigenen freien Szene bieten. „Im Bereich des Tanztheaters nimmt das Haus im Prinzip schon die Funktion wahr, eine neue Szene aufzubauen. Vielleicht auch im Hinblick auf ein größeres Haus“, sagt er.

Nächsten Monat öffnet sich der Vorhang dann zum ersten Mal im frisch getünchten Theater Felina-Areal mit einer neuen Produktion. Am 7. Februar feiert „Lebenslänglich für Richard Wagner oder der Jailhouse- Ring“ Premiere, so kündigt Koal an. Erwarten dürfe man dabei „ein fiktives Stück über Richard Wagners Flucht aus Dresden im Mai 1849 und die Frage, was passiert wäre, wenn er seinen Verfolgern nicht entkommen wäre.“


Scala, Februar 2009

neueröffnung: das theater felina-areal in mannheim

Wagner und Kurzwaren

Es tut sich was in der Mannheimer Neckarstadt.Während sich das Theater Oliv auf neue Räume am Alten Messplatz freut, eröffnet Sascha Koal jetzt im Februar auf dem Areal der „Kurzwaren“-Legende Felina einen Steinwurf vom Alten Messplatz entfernt sein neues Theater für knapp 100 Zuschauer in einer früheren Schreinerei. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass in Mannheim ein Theater für professionelle freie Gruppen fehlt. Überhaupt die freie Szene: Auch OB Kurz hatte in Gesprächen mit dem Theatermann (Trafohaus, Mannheimer Kammeroper, Studiobühne LU) den Wunsch nach einem Produktionszentrum für Theater und vor allem auch Tanz geäußert. Auf den Raum im Felina-Hinterhof aufmerksam wurde Sascha Koal dann durch Bernhard Wondra vom Kulturamt, der den Kontakt zur benachbarten Theaterakademie herstellte. Rasch fand sich in der Stadt breite politische Unterstützung für das Projekt – besonders eben auch mit Blick auf die darniederliegende freie Tanzszene – und so kann das neue „Haus“ nun auch als erster Schritt für ein Produktionszentrum in Sachen Tanz verstanden werden, das wieder frischen Wind durch die freie Mannheimer Theaterszene bläst.Sascha Koal selbst versteht sich als Koordinator bzw. Disponent, auf jeden Fall als Ermöglicher von „gehaltvollem Theater mit Professionalität als oberstem Gebot“. Als Haustruppe fungiert das „Neue Ensemble“, das sich kürzlich informell gegründet hat, als freier Zusammenschluss von namhaften Schauspielern und Regisseuren: u.a. Gerhard Piske, Elisabeth Auer, Hedwig Franke, Monika-Margret Steger, Dirk Mühlbach, Mathias Wendel und Rainer Escher. Es wird hier brisante Produktionen wie „Grönholm-Methode“ und „Zwei Brüder“, „Die Ausgeschlossenen“ oder „Mein Freund Hitler“ wiederaufnehmen. Und auch die Theaterakademie wird hier produzieren.Uraufgeführt wird zur Eröffnung Sascha Koals neues eigenes Stück „Lebenslänglich für Richard Wagner oder der Jailhouse-Ring“ mit Peter Haberer, Peter Houska, Dirk Mühlbach und Gerhard Piske, noch im Frühjahr folgt als Neuproduktion „Tiergartenstraße 4“ von Chistof Klimke. In Sachen Tanz werden die frühere Nationaltheater-Solistin Aki Kato und „MS Tanzwerk“ um Mario Heinemann Jaillet, zu Gast sein. Und bald könnte auch die Kammeroper als nomineller Mieter des Theaters Felina-Areal wieder zu ihrem Recht kommen – voraussichtlich mit abgefahrenen Versionen von Offenbachs „Orpheus“ oder Webers „Freischütz“.

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Die Rheinpfalz Februar 2009

 „Wir wollen Lust auf Wagner machen“

Der Mannheimer Theatermacher Sascha Koal hat ein Stück über Richard Wagner geschrieben. Der Komponist findet sich dabei mit dem Anarchisten Bakunin, dem Architekten Semper und einem Mörder in einer Gefängniszelle wieder. Historisch ist das nicht, eher ein Gedankenspiel. Uraufführung ist in einem neuen Theater: in früheren Räumen der Wäschefabrik Felina.
VON HANS-ULRICH FECHLER

Sascha Koal ist den Ludwigshafenern vor allem durch sein Mitwirken bei der Studiobühne TiP bekannt. Zusammen mit Rainer Escher, Mathias Wendel, Gerhard Piske und anderen nennt sich das Studiobühnen-Ensemble neuerdings Neues Ensemble. Außerdem betreibt Sascha Koal die Kammeroper Mannheim, die jedes Jahr mit ein oder zwei Produktionen hervortritt. In Mannheim fanden die Vorstellungen der Theatergruppen meistens im ehemaligen Trafohaus statt. Doch hier gab es zu viele andere Untermieter, so dass nur wenige Spieltermine frei waren. Also wandte sich Sascha Koal auf der Suche nach einem Theaterraum an die Mannheimer Stadtverwaltung, und die brachte ihn vor einem Jahr mit der Theaterakademie, der staatlich anerkannten Mannheimer Schauspielschule in der Holzbauerstraße, zusammen. Hier im Hinterhof stand die Schreinerei der Wäschefabrik Felina leer, auf die auch schon die Theaterakademie ein Auge geworfen hatte.

Im November hat Sascha Koal im Namen der Kammeroper einen Mietvertrag für den etwa 170 Quadratmeter großen Raum unterschrieben. Er läuft über zehn Jahre. Im Oktober hatte dem freien Schauspieler und Regisseur der Gemeinderat einen Betriebskostenzuschuss und eine Anschubfinanzierung in Höhe von 60.000 Euro für die nächsten zwei Jahre gewährt. Seitdem hat er in einem Kraftakt den unregelmäßigen Betonboden mit Holzdielen verkleidet, die Decke mit Gipsplatten versehen und die Schreinerei aus den 40er Jahren den heutigen feuerpolizeilichen Vorschriften angepasst. Etwa 80 Zuschauer werden in dem neuen Theater Platz finden.
„Ich will mit dem Raum auch die Tanztheaterszene wieder aktivieren“, sagt Sascha Koal. Als Vorstandsmitglied im Landesverband der freien Theater Baden-Württembergs weiß er, dass das Mannheimer, aber auch das Ludwigshafener Tanztheater in der Szene im Südwesten keine Rolle mehr spielen. Mit Mario Heinemann, einem der Leiter der Theaterakademie, hat er schon verabredet, dass dessen Tanztheatertruppe MS Tanzwerk im Felina-Theater auftreten darf. Auch Aki Kato, die seit ihrem Ausscheiden aus dem Ballett des Mannheimer Nationaltheaters ein Tanzstudio in der Schwetzinger Vorstadt betreibt, hat schon ihr Interesse bekundet. Und Koals Kammeroper wird dort die Inszenierungen von Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ und Carl Maria von Webers „Freischütz“ aufführen.

Wegen der umfangreichen Renovierung des Theaterraumes hat Sascha Koal die schon für den Dezember vorgesehene Uraufführung seines neuen Stücks verschieben müssen. „Lebenslänglich für Richard Wagner oder der Jailhouse-Ring“ sollte ursprünglich noch im Wagner-Jahr 2008, dem 125. Todesjahr des Komponisten, auf die Bühne kommen.
Die Idee zu dem Stück kam Sascha Koal schon, als er an „Nietzsche, der tolle Fritz“ schrieb, das dann 1994 zum 150. Geburtstag des Philosophen von der damaligen Hinterhofbühne am Theaterhaus TiG7 aufgeführt wurde.
Das Stück spielt mit dem Gedanken, was passiert wäre, wenn Wagner als Teilnehmer an der 48er-Revolution in Dresden nicht durch Zufall seinen Häschern entkommen, sondern mit seinem Kombattanten, dem russischen Anarchisten Michail Bakunin, festgenommen worden wäre. Es versetzt den Komponisten, gespielt von Gerhard Piske, zusammen mit Bakunin, gespielt von Dirk Mühlbach, in eine Gefängniszelle, erst zum Tode verurteilt und dann begnadigt zu lebenslanger Festungshaft. Ein weiterer Zellengefährte ist der Architekt Gottfried Semper, gespielt von Peter Houska. Und zu den drei Revolutionären wird noch ein Frauenmörder (Peter Haberer) gesperrt, der seiner Hinrichtung entgegensieht.
„Ich stehe Wagner neutral gegenüber“, meint Sascha Koal, der bei der Produktion auch Regie führt. Neutralität gegenüber Wagner sei eine selten lauwarme Einstellung zu dem großen Polarisierer. Sein Stück sei auch keine Parodie, betont Koal. Es versuche, aus einer distanzierten Warte Wagners politisch-ästhetische Utopie und seine schwer fassbare Person näherzubringen. „Jemand, der noch nie etwas von Wagner gehört hat“, nennt Sascha Koal zur Absicht seines Stücks, „soll Lust bekommen, sich mit ihm zu beschäftigen.“